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Nick Nikitakis & Band



"Les cycles de Theodorakis". CD-Präsentation am 16.5.2002
in der "Kantine", Köln



Nick Nikitakis
Nick Nikitakis entert die Bühne wie ein Freund das Wohnzimmer seines Kumpels, pflanzt sich hinter das Mikrophon, umgeben von seinen Bandkollegen und Instrumenten und ruht dort - egal, was auch kommen mag - in sich selbst wie wohl weiland Diogenes in seiner Tonne.

Er weiß, was er will, was er macht, was von ihm erwartet wird, und er stellt mit jeder Pore seiner Person klar, dass er sich durch nichts und niemanden von dem abbringen lassen will, was er sich selbst vorgenommen hat. Schon dies ist beeindruckend.

Seine Art der Begegnung mit seinem Publikum, mit seinen Fans - seine gewinnende Art lässt niemanden entkommen - ist verblüffend. Er stellt Nähe her, ohne dabei auch nur einmal plump vertraulich zu werden. Er gewinnt durch eine Freundlichkeit, die nie verlogen oder aufgesetzt wirkt. Ihm gelingt es, die Aufmerksamkeit zwischen den Lieder stets auf neue in anderer, überraschender Art zu fesseln, als er es mit seiner Musik kann - und er kann es genauso mit seiner Musik.

Seine Musik ist an diesem Abend Theodorakis - jedenfalls überwiegend, aber er zeigt auch, wo Theodorakis seine musikalischen Wurzeln hat, und wo die musikalischen Wurzeln von Nick Nikitakis sind, und das alles aus einem Guss: Auch Blues muss sein und soll sein. Und wenn sich die Stile kreuzen, welcher Songs passt da besser als "Crossroads".

Der griechische Bouzouki- Bluesmann mit seiner unverfälschten kölschen Prägung, die auf der "schäl Sick" ihre Überlebensfähigkeit bewiesen hat, eignet sich Theodorakis und seine Kompositionen so an, dass jeder Sockel des großen Griechen seine Berechtigung verliert, weil er sie ja auch nicht nötig hat.

Nick Nikitakis spielt Theodorakis ohne Bombast und Pathos, ohne den Bedeutungsballast eines Kulturereignisses oder eines in Nachschlagewerken sezierten Kunstwerkes (ganz gleich, ob sie nicht tatsächlich Anspruch darauf hätten, als solche bewertet zu werden) - dafür aber mit Herz und Spaß.

Er spielt die Lieder wie Folkrocksongs aus Griechenland, genießbar und einschmeichelnd selbst für anglo-amerikanisch verklebte Gehörgänge und doch eigenständig auf seine eigene Weise, dass niemand auf die Idee kommen kann, hier bediene sich ein auf kommerziellen Erfolg schielender Gebrauchsmusiker bekannter und gängiger Klischees aus der Pop-Rock-Kiste, um Kohle zu machen.

Er hat keine Scheu, ganz einfach Lieder zu spielen, weil sie "schön" sind, weil sie ihm gefallen und weil ihm gar nicht in den Sinn käme, sie könnten anderen nicht gefallen. Und er hat recht: Sie sind schön, selbst wenn man von diesem oder jenem Lied andere Versionen (von Vicky Leandros, Milva, Melina Mercuri) im Ohr haben sollte, die in ihrer erinnerten "Schönheit" seinerzeit nur übermäßig geschminkt waren. Auch diese Lieder recykelt er so, dass sie wieder genusstauglich werden.

Sein "Verzell" aus seiner Jugend, wie bei ihm daheim Theodorakis als Thema immer wieder diskutiert wurde, genauso wie die Junta oder wie der ganz normale Alltag am Rhein oder die Besuchserinnerungen an Begegnungen in Griechenland, dies alles bringt den Menschen Nick Nikitakis zwischen seinen Liedern herznah an sein Publikum, so dass dieses gebannt an seinen Lippen hängt, und wenn er wieder seine Finger über das Griffbrett des (jawoll, es heißt DAS B.) Bouzouki fliegen lässt, folgen ihnen die staunenden Blicke auf dem Griffbrett. Ein Erlebnis, und das meine ich so.

Noch ein paar Zeilen zur Band. Sie spielt mit, aber deckt Nick Nikitakis nicht zu. Sie ergänzt ihn so, wie es nötig ist, und kein Ton mehr, und das ist überzeugend. Schier unglaublich der Mann am Schlagzeug: Endlich mal jemand, der hinter seiner Batterie nur soviel an Ergänzungen zum Rhythmus beisteuert, wie es unbedingt nötig ist und kein Phon mehr, und trotzdem noch unüberhörbar, ohne die Mitmusiker dazu zu nötigen, die Regler mehr als erforderlich aufzudrehen. Klasse.

Rezension: Gerd Schinkel

Homepage Nick Nikitakis

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