Sie befinden sich hier Werke Liederzyklen (1937-1973)

Arkadia X




1. - ICH NENNE MICH KOSTAS STERGIOU

Ich nenne mich Kostas Stergiou
Vom Stamme der Wisigoten
Der Ostrogoten und Mavrogoten
Ich hause in modrigen Höhlen
Ich schnitze handfeste Knüttel
Und trinke aus Totenschädeln
Der Tod ist mein Gewerbe
Und ich diene stellvertretend
Dem Großen Menschenfresser
Der mich nach Arkadien befahl!
über der Haut trag' ich
Die Uniform
Auf den Achselstücken zwei Sterne.
Der Knüttel ist gut versteckt
Unter meinem Mantel.
Ich nenne mich Kostas Stergiou
Vom Stamme der Mamelucken
Der Mavrolucken und Soussolucken,
Ich bin eine Kreuzung
Von Neandertaler und Wolf.
Heut' aber habe ich Vollmacht
Im Jeep herumzufahren
Und Frauen und Kinder
Zu schrecken!
Das Schnüffeln ist meine Wonne,
Ich durchwühle die Kinderseelen
Und tränke sie mit Entsetzen!
Ich verkünde das Recht
Des Großen Menschenfressers
Der mich stellvertretend abkommandiert hat
Nach Arkadien!


2. - ICH HATTE DREI LEBEN

Ich hatte drei Leben
das eine nahm der Sturm
das andere der Regen
und mein drittes Leben
eingeschlossen in zwei Blicke,
das ertrank in Tränen.

Ich blieb allein
ohne ein Leben, ohne viele
das eine nahm der Sturm
das andere der Regen.
Ich blieb allein, ich mit dem Drachen
in der großen Höhle.
Ein Flammenschwert halt ich, ich halt einen Säbel.
Ich werd dich erdrosseln, dich töten
werd dich vernichten, dich zerfetzen
über meinem Leben.
Weil ich drei Leben hab,
eins um zu schmerzen,
das andere um zu wollen
und das dritte um zu siegen.

(Übers. 2: Ina und Asteris Kutulas, in;
Mikis Theodorakis. Poèmes - Gedichte, Ed. PHI, 2001)





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