Sie befinden sich hier Werke Liederzyklen (1937-1973)

Arkadia VI - Bemerkungen zu Päan




Vorbemerkungen:

Ein Päan oder Thourion ist ein Kriegsgesang der Griechen

«Aera!» ist ein griechischer Kriegsruf


Erläuterungen:

«Es sah schon die Heere der Ottomanen und andrer Eroberer...»

Nachdem sich die Demokratische Armee am Schluss des Bürgerkriegs, 1949, in den Norden Griechenlands zurückgezogen hatte, wurden die Partisanen, die sich südlich von Athen auf dem Peloponnes befanden, von den königlichen Truppen eingekreist und vollständig vernichtet. Die Zahl der Opfer überstieg 12 000 Mann, die im Verlauf von einigen Wochen hingemetzelt wurden.

«Noch immer stehen die Bäume, die einst dem Schlummer...»

Perdikas war während des Bürgerkriegs 1947 bis 1949 einer der «Kapetianos» auf dem Peloponnes gewesen. Er war bekannt für seine Überraschungsangriffe und für die außerordentlid1e Schnelligkeit, mit der er seine Leute von einem Gebiet ins andere verschob. Perdikas geriet in einen Hinterhalt und wurde von der royalistischen Armee enthauptet.

«Und der Kuckuck, den Kolokotronis nicht hörte ...»

Theodoros Kolokotronis war einer der Helden der Revolution von 1821. Er wird vom Volk in Dutzenden von Liedern besungen. Daras, der Hirt, hat eine ganz besondere Vorliebe für das berühmte Lied, das vom Kuckuck erzählt, auf dessen Ruf Kolokotronis wartete, um den neuen Tag zu begrüßen - das Zeichen der baldigen Freiheit.

Aber es ist offensichtlich, dass der alte Hirte dieses Lied vor allem singt, um zu zeigen, dass er ein Gegner der Junta ist und sich zum Widerstand zählt.

Jedes Mal, wenn der Name Theodoros - den er in Theodorakis abwandelt - im Text vorkommt, schwillt seine Stimme überlaut an, und alle, die auf der Terrasse vor dem Cafe sitzen, beginnen mit leuchtenden Augen den Takt zu klatschen. Die meisten der anwesenden Polizisten lachen sich ins Fäustchen, denn in ihrem Innersten verabscheuen auch sie die Tyrannen. So zaubert das Lied auf Kolokotronis im Rahmen dieses kleinen Dorfes eine Art nationaler Einigkeit - eine Einigkeit, die zutiefst in unserem Volkstum verankert ist.


Mikis beim täglichen Spaziergang flankiert von zwei Gendarmen
In diesem Zusammenhang muss ich noch erwähnen, dass die Polizei allen Einwohnern von Zatouna verboten hat, sich mir zu nähern, mit mir zu sprechen oder mich auch nur zu grüßen. Doch ausnahmslos alle Dorfbewohner, die mir begegnen, während ich, flankiert von meinen beiden Bewachern dahin schreite, blicken mir offen ins Gesicht und sagen jedes Mal laut und beherzt: «Sei mir gegrüßt!»

Man zitiert dann die Widerspenstigen unverzüglich auf den Polizeiposten, um sie zu bedrohen, was sie jedoch nicht daran hindert, bei nächster Gelegenheit ihr «Sei mir gegrüßt» zu wiederholen.

«Vergebens bemühen sich meine Wächter…»

Es ist mir geglückt, sämtliche Lieder des Arkadia-Zyklus heimlich nach Athen und von dort ins Ausland zu schaffen. Auf welchem Weg?


© Mikis Theodorakis: Mein Leben für die Freiheit


Anmerkung: Den Weg, oder vielmehr, die Wege, wie diese Lieder aus Zatouna herauskamen, kann man nachlesen in: Mikis Theodorakis. Ein Leben für Griechenland, Ed. PHI, 1995





| Druckfreundliche Ansicht | Diesen Artikel empfehlen |