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29.04.03: Rainer Rohloff - Theodorakis kammermusikalisch





Rainer Rohloff: überzeugend, da überzeugt
Wie sehr Mikis Theodorakis Melodiker ist, zeigt sich vor allem auch dann, wenn seine Lieder in anderem musikalischen Kleide vorgestellt werden. Das war der Fall während eines Konzertes der interessanten, von Roby Schiertz mit Kompetenz und Dynamik organisierten Reihe der „Concerts du Foyer Européen“:

Im Rahmen des griechischen EU-Ratsvorsitzes, hatte er den Gitarristen Rainer Rohloff nach Luxemburg eingeladen zu einer Ehrung Theodorakis’.

Bekanntlich hat dieser sehr wenig für Gitarre geschrieben; sein „Lorca“ und seine Gitarren-Rhapsodie (auf Themen des „Romancero Gitano“) bilden eine Ausnahme. Allerdings haben sich zahlreiche Gitarristen, von John Williams bis Elena Papandreou, mit seinen Liedern auseinandergesetzt und sie für ihr Instrument transkribiert..

Der deutsche Gitarrist Rainer Rohloff, der jahrelang im Orchester von Theodorakis spielte, hat eine Auswahl dieser Lieder für sein Instrument arrangiert. Als sensibler Musiker, beweist er echtes Verständnis für den Duktus der Musik und überträgt des Komponisten Klangwelt geschickt auf sein Instrument, das er souverän beherrscht. Schwierigstes gelingt ihm mühelos, vertrackteste Griffe beherrscht er spielend, und die vielfältigen, starken Rhythmen von Theodorakis vermag er optimal auf seinem Instrument herauszustellen. So entsteht denn eine neue Klangwelt, die dieser Musik sehr bekommt, denn sie macht deutlich, dass Theodorakis’ Melodien im schönsten Sinne des Wortes „Lieder“ sind, in unmittelbarer Fortführung der Tradition eines Schuberts, den der Grieche so sehr verehrt.

Zudem erfreut Rohloffs unaufdringliche, zurückhaltende Art, mit der er sich ganz in den Dienst der Interpretationen stellt, und auch seine dezenten Einführungen in die Werke bestätigen, wie intensiv er sich damit auseinandergesetzt hat.

Sein Spiel bleibt immer klar, die Akkorde sind durchsichtig, die Melodien singen, sogar dort wo Rohloff an die Grenzen seines Instrumentes geht, etwa in „La United Fruit Company“. Eindringlich sind auch seine eigenen Vorspiele, die zu den einzelnen Kompositionen hinführen, und das zu „Asma Asmaton“ aus „Mauthausen“ soll besonders erwähnt werden. Minder geglückt, da zu emphatisch, ist „To Psomi ine sto Trapezi“ aus „Gitonia ton Angelon“: Hier hat der Interpret versucht, zuviel hineinzulegen, statt die Musik ganz selbstverständlich erblühen zu lassen, und für „Sto Perigiali“ (Arnisi), das wohl bekannteste Lied von Theodorakis, hätte ich mir auch noch die dritte Strophe gewünscht, weil die beiden anderen so schön variiert wurden.

Als Höhepunkt des Recitals, das wie eine Erzählung war, die man gespannt verfolgte, muss Rainer Rohloffs ungemein differenzierte, sensible und vielschichtige Kompilation von Melodien aus „Arcadia II und III“ nach Elefteriou gewertet werden. Hier bestätigte sich aufs Eindringlichste sein Verständnis für die Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit der Musik von Theodorakis, die er auf seiner Gitarre neu entstehen liess: Dem Zauber seiner Klänge konnte man sich nicht entziehen.


© Guy Wagner - Erstveröffentlichung: "kulturissimo", Juni 2003


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