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Theodorakis im Buch und zum Buch von Guy Wagner





Theodorakis, Ariel et Guy Wagner (Photo: Niicki Wagner)


Brief als Vorwort


»(...) Es waren schwierige Jahre, zugleich aber schöpferische, atemberaubende, voller neuer, oft quälender und darum vielleicht schließlich doch heilsamer Erfahrungen ... Ich bin von allen Seiten angegriffen worden. Ich fühlte mich oft wie ein Schiffbrüchtiger auf einem Floß mitten im Ozean, darauf bedacht, nicht von den Wellen fortgerissen zu werden... Wie konnte ich mir sicher sein, daß mein Weg der richtige war und ist? Du warst in all den Jahren ein Freund, zugleich ein kritischer Wegbegleiter, der diese atemberaubende Reise des Menschen, der ich war, beobachtet hat und manchmal auch an ihr teilnahm, die Reise eines Menschen, der dazu ausersehen worden war, Tausende von Toten des Bürgerkrieges mit sich herumzuschleppen und Millionen von Träumen-Samenkörnern der Griechen die, - gerade, weil sie verraten worden waren, - fruchtbaren Boden finden mußten, um zu erblühen. (...) «

© Mikis Theodorakis


Aus dem Nachwort

»Jetzt, wo sich meine Reise inmitten der Menschen und der Gesellschaft ihrem Ende zuneigt, gestatte ich mir zurückzublicken.
Es war tatsächlich eine Reise.
Als ich ein Kind war, war ich sehr mißtrauisch, weil das Nest meiner Familie mir Sicherheit, Geduld, Träume schenkte. Also hatte ich Angst, es zu verlassen. Ich bin schließlich doch auf die Reise gegangen, die Ereignisse bewirkten aber, daß die Reise eine sehr harte wurde.
Für mich waren die andern ein Geheimnis, das ich erforschen wollte. Daher wollte ich sie erobern, bezaubern, mit mich ihnen vereinen. Das war mein Traum.
Ich bot ihnen Geschenke an, viele Geschenke, vor allem, ein Geschenk, das ich besaß: Mein musikalisches Talent. Aber sie fragten mehr. Dann gab ich ihnen mein Leben.
Am Ende habe ich eingesehen, daß dies nur ein Traumgebilde war.
Die Menschheit blieb die gleiche, trotz meiner Geschenke. Nichts hat sich geändert.
Ich sehe dies nicht pessimistisch, sondern aus der reifen Haltung meiner Lebenserfahrung, die ich nicht beiseite stellen will, so wenig wie die andern, so wenig wie meine Vergangenheit, aber, was ich als Wertvollstes gegeben habe, ist meine Musik, und ich möchte mein Leben zu Ende bringen, indem ich meine Musik weiterverschenke.
Natürlich ist es so, daß, sollte nochmals eine Massenbewegung, ein großer Aufstand beginnen, so möchte ich mich, trotz allem, was mir widerfahren ist, noch einmal hineinstürzen, denn die schönste Musik, die ich gehört habe, ist die Musik der Massen, der Menschenmenge, wenn alle zusammen mit einer Stimme, im Chor singen, und sogar der gewaltsamste Schrei sich in innerer Ruhe auflöst.
Dieses Erlebnis, ist das schönste, und ich hatte es im Wirren des Krieges, in den Qualen des Bürgerkrieges, in den Konzertsälen und Stadien, überall in der Welt, wo meine Musik erklang und von der Freiheit und Würde des Menschen sang.«

© Mikis Theodorakis

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