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Zur Vierten Symphonie





Loukas Karytinos
Mit der Dritten Symphonie hatte Theodorakis, seiner eigenen Überzeugung nach, einen vorläufigen Höhepunkt in seinem symphonischen Schaffen gefunden.

Gerade die Vierte Symphonie aber beschreitet dann neue Wege, indem sie den Akzent auf den Chor setzt, wie es der Untertitel »Symphonie der Chor-Oden« schon verdeutlichen will: Für Theodorakis ist sie die »griechischste« seiner Symphonien geworden.

Die Vierte ist in zwei Teile gegliedert, wovon jeder auf einer Szenenmusik fußt, die Theodorakis für antike Tragödien komponierte: »Eumeniden« und »Phönizierinnen«. Ein dritter Teil, fußend auf »Ajax« von Sophokles, konnte wegen der Länge des Werkes nicht zurückbehalten werden.

In der Vierten Symphonie wird die Thematik dieser unbestreitbaren Meisterwerke des antiken griechischen Dramas musikalisch gedeutet.

Theodorakis' Szenenmusik zu den »Eumeniden« von Aischylos erklang erstmals am 18. Juli 1986 in Epidauros. Die Darbietung wurde anschließend im Athener Amphi-Theater wiederholt.

Grundlage: Eumeniden

Aus ihr ging der erste Teil der Symphonie hervor, die, ähnlich wie die Bühnenmusik als Orchestercharakteristik hat, daß die hohen Streicher fehlen. Thematisch geht es um die Läuterung des Überlebenden der Atriden-Familie und die Aussöhnung mit den Rachegöttinnen; sie stelltden Gehalt des sinfonischen Satzes dar.

Metaphysische Ängste und politische Konflikte, - Konflikte der »Polis«, der »Stadt«, - werden auf faszinierende Art verbunden. Am Schluß des Werkes geht die Schöpfung des Aeropags aus den Konflikten hervor und wird zum Symbol für den Übergang von den mythischen zu den historischen Zeiten.

Grundlage: Phönizierinnen

Der zweite Teil beruht auf einer Musik, die Theodorakis bereits 1960 zu den »Phönizierinnen« von Euripides geschrieben hatte. Es war dies seine erste Beschäftigung mit der antiken Tragödie überhaupt gewesen. Hier tauchen die wesentlichen Figuren, die unsere Kultur bestimmt haben, auf: Ödipus, Jokaste, Eteokles, Polynikes, Kreon, Antigone...

Theodorakis schreibt die Vierte als Auftragskomposition für das 150jährige Bestehen der Athener Universität, wo sie dann auch erstmals am 3. Mai 1987 im PALLAS-Saal, unter der Leitung von Loukas Karytinos, erklingt.

Das Orchester, das den Namen »Athener Symphonieorchester« erhielt, und die »Athener Chöre« (einstudiert von Elli Nicolaidou) waren eigens für diese Gelegenheit zusammengestellt worden, und alle, die an der Darbietung beteiligt waren, - vom Orchesterchef über die Solisten (Kiki Morfoniou, Aleka Drakopoulou, Leda Tassopoulou), zu den Chören und zum Orchester, - erklärten sich zu einer gemeinsamen Auswertung der Einspielung des Werkes auf Schallplatte und CD bereit. Die erste Initiative dieser Art verdiente fortgesetzt zu werden, denn so ergäben sich neue Möglichkeiten für die griechische Musik, auch internationale Verbreitung zu finden.

Suche nach dem Dialog

Indem Theodorakis den Gesang in seine Symphonien (2., 3., 4., 7.) einführte und diesen auf den schönsten Texten der antiken und zeitgenössischen Dichtung Griechenlands fußen läßt, stellt er sich bewußt gegen den musikalischen Elitismus, der besonders nach 1945 zu einer wachsenden Entfremdung zwischen dem großen Publikum und den Komponisten geführt hat. Theodorakis, sucht, im Gegensatz dazu, den Kontakt mit den Zuhörern, den Dialog mit dem Publikum, und dieser wird vereinfacht durch die Texte, auf denen seine Musik fußt, da diese so für die Zuhörer viel zugänglicher wird.

Theodorakis sieht eine Annäherung an das Publikum als unerläßlich für seine Musikschöpfung an, sowohl die symphonische als die populäre.

Damit beweist er aber auch einen Respekt vor dem Zuhörer, der allzu oft im zeitgenössischen Musikschaffen vernachlässigt wird: »Mozart kehrt ins Dorf zurück«, schrieb er in seiner »Anatomie der Musik«.



© Guy Wagner

Composition entre août 1986 et le 7 février 1987

Création, le 3.5.1987 à Athènes.
Kiki Morphoniou, Aleka Drakopoulou, Lyda Tassopoulou
Dana Hatzigeorgiou, violoncelle, Chorodiako Synolo (Elli Nikolaidi), Athinaiki Symphoniki Orchistra, Loukas Karytinos





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