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Über die »Symphonieta« - Einige Gedanken




Das "Symphonieta" (Sexteto) ist ein Werk, das zu meinen Kompositionen der Periode 1944 bis 1950 gehört, die mit der Bürgerkriegszeit in Griechenland zusammenfällt.

Damals beendete ich gerade mein Studium am Athener Konservatorium, die Klasse für Fuge, Harmonie und Kontrapunkt, während dem ich mich intensiv mit den verschiedenen Musikstilen vor allem mit der Sonatenform, beschäftigt hatte.

Ich betone das, weil zweifellos sowohl die "Symphonieta" als auch das "Trio" und etwas später meine "Erste Sinfonie" durch die klassische Musikepoche geprägt sind. Bezeichnend im zweiten Satz des Werks sind die Themen, die ich griechischen Volksliedern entlehnte.

Festzuhalten ist ebenfalls, daß 1947 das Jahr war, da ich festgenommen und zum ersten Mal auf die Verbannungsinsel Ikaria deportiert wurde.1948 entließ man mich im Zuge der Amnestie von Sophoulis. Zwei Monate später wurde ich wieder festgenommen und nach Ikaria sowie etwas später nach Makronissos verbannt:

Die Zeit, da die "Symphonieta" entstand, war bereits bestimmt von diesen Ereignissen die ihre Schatten vorauswarfen, was man, glaube ich, dem Werk anmerkt. Ich denke, daß dieses Werk absolut das Gefühl von einer großen Tragödie, die bevorstand, wiedergibt.

Das Hauptthema der "Symphonieta" benutzte ich später abermals in einer Quartett-Fassung des "Ödipus Tyrannos", wobei Ödipus für mich das griechische Volk symbolisierte, fühllos Augen, Gehör, Verstand. Und trotzdem leuchtet in meinem Werk eine gewisse Hoffnung, weil ich niemals ein tragisches Ende akzeptieren konnte. Allerdings ahnte ich damals nicht, was auf meine Generation 1947 und später an Tragik und Leid zukam.

Diese Fassung war also ein "Sextett", bestehend aus Streichquartett, Flöte und Klavier. In dieser Form wurde sie 1952 in Athen uraufgeführt.

1995 kam zum Sextett noch ein Kontrabaß hinzu: es entstand also eine neue Fassung für Streichorchester, Flöte und Klavier mit der neuen Bezeichnung "Symphonieta", die am 17.11.1995 in Adelaide/Australien aufgeführt wurde, 47 Jahre nachdem ich die ursprüngliche Komposition geschaffen hatte.


© Mikis Theodorakis


SYMPHONIETA / SEXTETO, AST 42
Komposition: 2.3.-21.11.1947 auf Ikaria und in Athen
Arrangiert für Klavier, Flöte und Streicher: 1995
Sätze:
1. Preludio ke choriko
2. Scherzo
3. Finale
UA der Sextettfassung: 8.4.1952 in Athen
Kostas Kydoniatis (Klavier), Panaghiotis Vrettos (Flöte), Spiros Tobras, Tatsis Apostolidis, Christos Michalakakis, Yannis Chronopoulos (Streichquartett)
EA der "Symphonieta": 17.11.1995 in Melbourne
Melbourne Chamber Orchestra, Mikis Theodorakis





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