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Die Linke, der bewaffnete Kampf und der "17. November"





Pervertierte Symbole
Statt die Landschaft um Antipathien und Sympathien aufzuhellen, die ihre Aktionen im griechischen Volk hervorrief, hat die Verhaftung eines ersten harten Kerns der Terrororganisation „17 November“ eher zu einer Konfusion geführt, wie wir feststellen müssen.


Unter dem Vorwand der Rechte der Angeklagten, die bisher niemand bestritten hat, nehmen wir teil an einem Fernaufmarsch von bekannten Persönlichkeiten, von denen einige sogar Parteien vertreten, die ihre Sympathien für die Terroristen kaum noch verhehlen.

Es scheint, dass selbst das Wort „Terrorist“ ihnen nicht passt, und man könnte glauben, dass jetzt kein Tag mehr vergeht, ohne dass man sich anstrengt, das offen zu sagen, was man während Jahren nur heimlich sagte, nämlich, dass wir es mit „Volkskämpfern“ zu tun haben, mit „Ideologen“, vielleicht, weil bis jetzt ihre Ziele zu einem hohen Grad mit denen der weit gefächerten griechischen Linken übereinstimmten. Mit dem Unterschied allerdings, dass bis jetzt keine parlamentarische Partei auf der Linken zu behaupten dachte, man müsse politische und ideologische Gegner umbringen.

Im Gegenteil, alle weisen öffentlich solche extremen Methoden von sich…

Aber wie kommt es dann, dass ein großer Teil ihrer Partisanen sie auf kaum verhohlene Art bewundert, so als ob sie glaubten, dass diese Verbrechen gegen allgemeines Recht Taten von „Volksrächern“ seien?

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Ich versuche, der Logik, nicht so sehr der einfachen Anhänger, aber von einigen Führern zu folgen und besonders von jenen, die glauben und behaupten, dass die Terroristen Instrumente ausländischer Geheimdienste und vor allem des CIA sind.

Zuerst einmal: Diese Logik beantwortet die Frage nicht, warum die Amerikaner vor der Entwicklung unseres Landes Angst hätten und deshalb den Terrorismus installierten und verstärkten und so versuchten, das bestehende politische System zu destabilisieren… Um uns was aufzuzwingen? Ein anderes System, das nach ihrem Geschmack wäre?

Aber heute, mit einem PASOK an der Regierung und der Neuen Demokratie in der Opposition – an sich vereinigen beide Parteien allein um die 90% –, warum sollten die Amerikaner da beunruhigt sein? Durch wen riskieren sie, gefährdet zu werden? Von dem, was wir wissen, ist nur die Kommunistische Partei (KKE) von echten und extremen antiamerikanischen Gefühlen und Programmen beseelt und könnte demnach die USA beunruhigen, falls ihr Prozentsatz bei Wahlen bedeutsam wäre und vor allem, wenn sie die Gefolgschaft einer existenten kämpferischen antiamerikanischen Massenbewegung hätte. Die Massenreaktionen – im Falle von Jugoslawien, Afghanistan und Palästina – drücken eher ein allgemeines antiamerikanisches Klima aus, das in der Tat die gesamte griechische Bevölkerung durchzieht. Davon ausgehend, sind die Anhänger der beiden großen Parteien selbstverständlich nicht bereit, die grundsätzlichen Richtlinien der beiden „Regierungs“-Parteien nach Art der KKE in Frage zu stellen.

In der rezenten griechischen Geschichte hat es keine beruhigendere Periode für die USA und die NATO als jetzt gegeben. Warum also sollte die CIA beunruhigt sein und terroristische Handlungen organisieren, die das bestehende politische System destabilisieren würden?

Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Alles bestätigt, dass der PASOK das ungeteilte Vertrauen des Weißen Hauses besitzt, im gleichen und vielleicht sogar in noch stärkerem Maße als die Neue Demokratie. Das heißt, dass mit unserem jetzigen politischen System die Amerikaner sich sicher wissen, weil 90% des griechischen Volkes, unabhängig von ihren Gefühlen, bewusst für die Politik der unbedingten Zuwendung zur westlichen Welt und zu den Kräften des Westens stimmen.

Aber wenn dem so ist, aus welchem Grund sollten die amerikanischen Geheimdienste dann Terrororganisationen gründen, um ein politisches System zu sabotieren, das völlig auf ihre Politik und ihre Interessen ausgerichtet wird? Während es für ihre einzigen Feinde in Griechenland, die Kommunisten, klar ist, dass mit dem Einfluss, den sie ausüben können und den Mobilisierungen, die ihnen gelingen können, es für sie zur Zeit jedenfalls sehr schwer ist, die bestehenden politischen Verhältnisse aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem sie ein Klima allgemeinen Widerspruchs schafften, das seitens der Amerikaner vielleicht „Notmaßnahmen“ mit sich brächte.

Auf jeden Fall scheint es nicht so, dass man Recht hätte, von Beziehungen zwischen „17 November“ und den amerikanischen Geheimdiensten zu sprechen. Es sei denn, man gibt endlich zu, dass diese gegen die amerikanischen Interessen handeln…

Aber das, was wirklich zum Nachdenken herausfordert, ist die Tatsache dass, während gewisse führende politische Kreise den „17 November“ als eine Gruppe von Agenten im Diensten von ausländischen Mächten ansehen, die öffentliche Haltung von bekannten Vertretern dieser Kreise kaum noch ihre freundschaftliche Haltung gegenüber den Terroristen verdeckt… Es ist in der Tat widersprüchlich, einerseits „17N“ als eine Schöpfung des CIA anzusehen, andrerseits aber unfähig zu sein, seine Sympathie für die Mitglieder dieser Organisation zu verheimlichen.

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Übrigens, zur Zeit, als die kommunistische Linke stark war und sich der angloamerikanischen Anwesenheit lebhaft widersetzte, war es selbstverständlich, dass diese mit allen Mitteln gegen den Linke intrigieren, selbst mittels parastaatlicher Terrororganisationen, da die damals wahrhaft antiamerikanische Linke über eine starke Waffe verfügte: die Volksbewegung. Während einer Phase der Geschichte hatte diese sogar die Kraft – zu Recht oder Unrecht –, zu einer Armee zu werden, nämlich zur Demokratischen Armee. Unabhängig vom Ausgang der Konfrontation, war die Form des bewaffneten Kampfes unter diesen konkreten Bedingungen geschichtlich gerechtfertigt, da sie einem wichtigen Teil des griechischen Volkes Ausdruck gab. Wir brauchen uns übrigens nur an die Hunderttausende von Linken zu erinnern, die ins Räderwerk des Bürgerkrieges gerieten.

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Ich möchte des Weiteren sagen, dass zur Zeit der Wiederherstellung der demokratischen Kräfte nach dem Bürgerkrieg und besonders in den 60er Jahren, die Amerikaner intrigierten, um mit allen Mitteln ihre politischen Verbündeten und andere zu unterstützen, da sie spürten, dass sie den Boden unter den Füßen verloren. Und es war verständlich, dass sie besorgt waren, da es eine sehr starke Volksbewegung gab, die deren totale Herrschaft immer massiver bestritt.

Dennoch haben es diese Widerstandskräfte nicht gewagt, gegen die bestehende Ordnung jener Zeit im bewaffnetem Kampf zu reagieren, trotz der Tatsache, dass ein solcher einen großen Widerhall in den Schichten der demokratischen Jugend gefunden hätte, die sich an antiamerikanischen Gefühle entflammte. Und es ist nicht alles wegen der Tatsache, dass die Leitung der Zentrumsunion proamerikanisch war, dass die Schaffung von dynamischen Widerstandsformen unterlassen wurde, aber die Linke selbst, EDA und KKE, haben die Lage der Zeit richtig und mit einem großen Verantwortungsbewusstsein eingeschätzt und festgestellt, dass die Vorbedingungen für einen neuen bewaffneten Kampf nicht bestanden, da dieser, falls er unter diesen konkreten Bedingungen begonnen hätte, zu einer Niederlage ohnegleichen der Linken und der demokratischen Kräften ganz allgemein und zu großen Katastrophen zum Nachteil unseres Volkes geführt hätte.

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Dennoch war nur wenig später, nach der brutalen Provokation des griechischen Volkes durch die Junta (und die Amerikaner, die sie unterstützten), der geschichtliche Rahmen gegeben, der alle Widerstandsformen, selbst gegen die Armee, legalisierte.

Bevor wir die praktischen Seiten eines solchen Unterfangens prüfen wollen, d.h., untersuchen, ob es möglich gewesen wäre, den bewaffneten Kampf zu verwirklichen und mit welchen Mitteln, welcher Unterstützung und welchen Perspektiven, muss man, glaube ich, einen anderen Aspekt in Betracht ziehen: den der patriotischen Notwendigkeit als letztmöglicher Handlung der moralischen Pflicht gegenüber den geschichtlichen Traditionen und sogar dem Überleben des griechischen Volkes als geschichtlicher, moralischer und kultureller Wertvorstellung.

Von dieser Warte aus war der bewaffnete Kampf gegen die Junta geschichtlich notwendig, und damit wäre das gerechtfertigt gewesen, was wir mit einem Wort die Ehre des griechischen Volkes nennen. Das, was sich ereignen konnte, hatte danach nur eine sekundäre Bedeutung. Bevor eine solche Entscheidung getroffen wurde, bedurfte es einer Vorbedingung – wie „Freiheit oder Tod“ –, damit danach der Widerstand unter einer solchen Perspektive aufgebaut und die notwendigen Voraussetzungen geschaffen wurden, die es erlaubten, zu demonstrieren und sogar einer gewissen Form von bewaffnetem Kampf den Rahmen und die Unterstützung zu geben… in einer ultimen Phase.

Wer sollte eine solche Entscheidung treffen? Es ist klar das der radikale Charakter einer solchen Widerstandsperspektive allein die Parteien der damaligen Linken als Ausgangspunkt haben konnte, gegen welche sich die Diktatur schließlich vor allem richtete: KKE, EDA und die Linke der Zentrumsunion.

Und es ist auch evident, dass, wer auch immer
auf eine solch verantwortungsbewusste Weise entschieden hätte, das griechische Volk zu einer dynamischen Konfrontation mit der Junta zu führen, das erste, woran er hätte denken müssen, die Antwort auf die Frage war: „Mit welchen Kräften werde ich dies tun? Mit welcher Taktik und welcher Strategie?“

Mit einem überbewaffneten Regime als Gegenüber, galt es als einzige Art, dieses in einem günstigen Kräfteverhältnis zu bekämpfen, systematisch die Einheit aller Anti-Junta-Kräfte mit Methode, Einbildungskraft und Konsequenz aufzubauen und das in einer breiten antidiktatorischen Einheitsbewegung organisierte Volk zu Formen des Kampfes zu führen, die von den Sanftesten bis zu den Härtesten und Risikoträchtigsten reichen würden.

Ein bewaffneter Kampf, mit einem populären Fundament, entsteht nicht durch Proklamationen und Slogans. Er stellt einen Vorgang von historischer Dimension dar, dessen Vorbedingung jedes Mal ausschlaggebend abgestützt wird vom Führungskreis der populären Kräfte, der sich in Griechenland selbst befinden, mit dem Volk kämpfen und Risiken mit ihm eingehen musste, sowie vom persönlichen Beispiel der Leiter und der Führungskader, um auf diese Weise jeden Tag den einfachen Bürger stärker davon zu überzeugen, dass der Weg des Kampfes – selbst des bewaffneten – der einzige wäre, wenn wir nach der Befreiung dem Volk tatsächlich seine Souveränität geben wollten.

Und so etwas erreicht man nicht mit Reden, aber durch die Gewissheit, die man dem Volk verliehen hat, dass es tatsächlich stark ist. Aber wie wird ein Volk stark und wie fühlt es sich stark?

Jenseits aller Massendemonstrationen, Proteste und sanften Formen des Kampfes auf dem Arbeitsplatz, im Unterrichtswesen, in der Stadt und auf dem Land, war die Aktion von kleinen bewaffneten Teams erforderlich, die bestimmte Ziele angriffen, damit der verstörte Gegner falsche Gesten machte, während auf der anderen Seite das Volk immer mehr Mut gewinnen würde, und so würde man vielleicht eines Tages zur äussersten Konfrontation des gesamten Volkes kommen in einer Kombination von, sagen wir, dem was am Polytechnikum geschah und schlagkräftigen Anschlägen.

Mit anderen Worten:

Kleine bewaffnete Gruppen wie die, welche wir durch „17N“ kennen lernten, wären unter solchen Umständen sehr kostbar. Natürlich unter der Vorbedingung, dass sie Repräsentanten einer antidiktatorialen Widerstandsbewegung der gesamten Bevölkerung wären.

Aber allein schon durch die Tatsache dass sie ihre Taten begonnen hat, nachdem die Junta gestürzt war, stellt diese Organisation eine Karikatur der Geschichte dar, eine geschichtliche Beleidigung eines Volkes, das vergebens darauf wartete, dass seine Auserwählten die Pflicht erfüllten, die sie ihm schuldeten, und jetzt wird auch deutlich, dass einige der großen Abwesenden von damals ihm ins Ohr flüstern: „Hier ist, im Nachhinein, unser Widerstand gegen die Diktatur“, und ihm insgeheim schamlose Mörder vorführen…

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Und während, wie wir notiert haben, in jener Zeit die Perspektive der bewaffneten Konfrontation mit der Junta zuerst und vor allem eine moralische und patriotische Pflicht und parallel dazu historisch gerechtfertigt war aufgrund der barbarischen Provokation der Junta mit der Abschaffung der Freiheiten des griechischen Volkes, so gab es dennoch keine verantwortungsbewusste Stellungnahme der damaligen politischen Kräfte, die in diese Richtung gegangen wäre. Und als später die „Literatur“ für einen so genannten bewaffneten Kampf begann, so geschah dies aus propagandistischen Gründen und von sicherer Warte aus.

Danach begann, statt einer Politik der Konvergenz und der Einheit aller antidiktatorialen Kräfte, die konträre Bewegung hin zur Multi-Aufsplitterung und zu internen Konflikten in kleinen und großen Gruppierungen, was selbstverständlich das griechische Volk enttäuscht und die Diktatoren und alle jene, die sie stützten, nur bestärkt hat.

Fassen wir zusammen:

Die Junta hat jeder revolutionären politischen Kraft die geschichtliche Rechtfertigung und den moralischen Rahmen für die Demonstration selbst extremster Formen des bewaffneten Kampfes geliefert.
Diese historische Gelegenheit wollten sie entweder nicht erkennen, oder, sie haben sie erkannt und haben Angst bekommen, alle jene, die sich für radikale, revolutionäre und unversöhnliche Kämpfer gegen die bestehende Ordnung in Griechenland und im Ausland hielten, eine Ordnung, die in jener Zeit ihre reaktionärste, düsterste, schwärzeste Form angenommen hatte: diejenige einer Militärdiktatur.

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Man sagt auch, dass der Sturz der Junta mit der „Lösung Karamanlis“ eine Provokation der demokratischen Gefühle eines Teiles des griechischen Volkes und evidenterweise der Linken dargestellt hat.

Aber eine Lösung gleich welcher Art und vor allem eine, die mit dem Sturz einer Diktatur verbunden ist, steht unmittelbar in Beziehung mit dem „wie“ und dem „durch wen“ sie verwirklicht wurde…

Sie ist das Ergebnis der Anstrengungen und des Beitrages eines jeden und besonders von denen, die als Avantgarde-Kräfte der Linken angesehen werden.

Wir haben aber gesehen, dass die Linke nicht an einen dynamischen Widerstand gedacht hat, der natürlich eine massive Widerstandsbewegung voraussetzte, die die Einheit sowohl an der Spitze als auch an der Basis des Volkes abgesichert hätte. Das Gegenteil war der Fall: die Direktionen gingen von einer Spaltung zur anderen. Die Spaltung in der Kommunistischen Partei ging über zur EDA, zur Lambrakis-Jugend und zur Patriotischen Front. Danach: Spaltung zwischen den Widerstand-Organisationen, zwischen PAM (=Panhellenische Befreiungsfront, PAK (=Panhellenische Befreiungsbewegung, D.A. (=Demokratische Verteidigung) und den Widerstandsgruppen.

Schließlich Multi-Spaltung innerhalb des Volkes selbst. Wie demnach nicht schlussfolgern, dass die „Lösung Karamanlis“ das war, was dieses „multi auseinander gebrochene“ und infolgedessen geschwächte und hilflose Volk verdient hatte, das den erbärmlichen Zustand der politischen und der zerstreuten und innerlich zerrissenen Widerstandskräfte sah und sich dem einzigen Ausweg aus der Sackgasse der Diktatur zuwandte, der „Lösung Karamanlis“: So hatten wir uns wenigstens das Recht genommen, nach sieben Jahren im Gips frei zu atmen?

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Das Volk sagt: „Du gibst soviel, ebensoviel nimmst du!“ Und man muss sagen, dass die „Lösung Karamanlis“ ihm viel mehr von dem gegeben hat, was wir die Verpflichtung hatten, ihm zu geben, nämlich einen geeinten und dynamischen echten Widerstand.

Gequassel, davon haben wir reichlich gehabt. Von streitlustigen Gruppen von Bärtigem in Paris und woanders, davon haben wir genug gehabt. Aber den Widerstand, den haben wir nicht gehabt. Daher stürzte die Junta wegen ihrer eigenen Fehler und vor allem ihrer Verbrechen auf Zypern. Oder täuscht man nur vor, die Zyprioten nicht zu hören, wenn sie sagen, dass die Griechen ihre Freiheit auf den Ruinen Zyperns errungen haben?

Nein, es besteht kein Grund, wegen all diesem stolz zu sein. Aber den Punkt zu erreichen, dass man sich empört, weil die „Befreiung“ nicht so radikal gewesen ist, wie wir es uns gewünscht hatten? Was dazu sagen? Gegen wen sich empören?

Wenn es gilt, sich gegen jemanden zu empören, so gegen uns selbst, denn im Grunde genommen, sind wir alle mitverantwortlich am erbärmlichen Zustand des Widerstandes gegen die Junta, der uns nackt und ohnmächtig vor der Macht des Militärs und den Intrigen der Ausländer liess.

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Nicht nur, dass wir nicht den Mut hatten, unseren Teil an Verantwortung, selbst a posteriori, für den Charakter des Wechsels zu übernehmen – „Lösung Karamanlis“ –, einige haben sogar begonnen, zu den ersten Anschlägen des „17. November“, Beifall zu klatschen, unter dem Vorwand, dass sie behaupteten, so die Entrüstung der reinen Hyper-Patrioten gegenüber der „Weichheit“ der Regierung Karamanlis vor den Folterknechten auszudrücken. Aber warum haben alle jene, die diese leicht zu verwirklichenden Anschläge applaudiert haben, – leicht wegen des demokratischen Regimes –, nicht an eine sehr einfache Sache gedacht, nämlich: wo sind alle diese „Tapferen“ während der Zeit des Obristenregimes gewesen? Damals hätten sie das Risiko auf sich nehmen können, das sich aus ihren Handlungen ergab und das sie tatsächlich als echte Helden hätte offenbaren könnten (wie z.B. Alekos Panagoulis dies getan hat). So hätten ihre Kugeln schließlich die hassenswerte Diktatur getroffen und nicht die Demokratie …

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Allein schon die Rechtfertigung der Handlungen von Rächern in Zeiten der Demokratie stellt den Ausdruck einer traumatischen Massenpsychologie dar, die zu ideologisch-politischen Deformierungen und zu Phänomenen einer moralischen und sozialen Dekadenz führt.

Man könnte meinen, diese angeblichen Widerstandshandlungen böten all jenen einen Rettungsring und ein Alibi an, die in Sicherheit vor allen Risiken geblieben sind, als sie tatsächlich die Pflicht hatten, sich auf hervorragende Weise der Junta zu widersetzen, um danach die politische Bühne zu erobern, – die selbstverständlich für sie durch die „Lösung Karamanlis“ vorbereitet worden war –, indem sie im Nachhinein die Banner der Revolution gegen die „etablierte Ordnung“ erhoben, was, so wie es jetzt den Anschein hat, dazu geführt hat, dass einige die Anschläge der „bewaffneten Kameraden“
– wie sie von gewissen Journalisten der Linken genannt werden – gegen diese etablierte Ordnung ansehen als einigermassen parallele Handlungen zu ihrer Politik…

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Eine größere Deformierung, eine schlimme Behandlung und schließlich eine derartige Dekadenz der Toleranz des Terrorismus sind einer Massenbewegung wie der griechischen Linken noch nie zugefügt worden. Den Punkt zu erreichen, wo politische Parteien, die so viele Schlachten geschlagen haben und so viel in der Vergangenheit bezahlt haben, es unterließen, klar und entschieden all diese Feiglinge und elenden Mörder anzuzeigen die, allein durch die Tatsache, dass sie die Frechheit hatten, die Banner der Linken hochzuheben, von dieser Linken selbst hätten erstickt werden müssen durch die Verachtung des gesamten Volkes, ausgedrückt in den zahlreichen Nachfahren einer Linken, die auf die Straßen gingen, jener Linken die ihre Ehre im Geist und im Opfer der echten Volkskämpfer findet und in der Trennung, mittels eines sauberen Messerschnittes, ihrer Position von der all den schlechten Kopien angeblicher Kämpfer, diesen armseligen Figuren, von denen noch niemand weiß, woher sie kommen, und die nach der ersten Pleite munter ihre eigenen Brüder angezeigt haben.

Welche Schande solche Leute an die Seite von denen zu stellen die, weil sie die berühmte „Erklärung“ nicht unterschrieben – die Reueerklärung, die die damaligen Machthaber von jenen verlangten, die nach Makronissos verbannt waren und die so ihre Ideologie verleugnen sollten –, Invaliden geblieben sind nach den Misshandlungen, die sie in Makronissos zu erleiden hatten, weil sie sich weigerten zu unterschreiben, oder mit jenen Riesen, die den Tod wählten, um ihren Idealen nicht untreu zu werden!

Athen, 3.VIII.2002







Mikis Theodorakis


Dieser Text erschien am 5. August in "Elefterotypia" - Übertragung ins Deutsche ab der autorisierten französischen Fassung: Guy Wagner





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